14.07.2012

SPACESTATION


SPACESTATION. Was machst du hier, frage ich mich, wenn ich nicht in den Monitor schaue, diese selbstblinde BlackBox, in der sich Teilchen beruehren, die Teilchen kreieren, die Teilchen beruehren, die Teilchen kreieren und fragen, was ich hier mache. Das ist nicht die Erde und das ist kein Planet. Das hier umkreist kein Objekt. Das Subjekt kreist um sich selbst. Das ist, was es ist, und das ist, was es macht, mit mir, mein eigenes selbst-sich-betrachtendes Selbst zu umkreisen. Es ist bemerkenswert, wie wenig das funktioniert.

Ab und zu zaehle ich, ab und zu nicht. Wenn ich die Zahlen verliere, kann ich nicht noch einmal zaehlen. Wiederhole ich das, was vergangen ist, ist das, was kommt, schon vorbei um von dort aus den Rest durcheinander zu bringen.

Ich bin nicht hier um zu zaehlen. Fuer Zaehlung sorgt die Maschine. Ich sorge fuer die Maschine. Ich traue dieser Maschine nicht. Ich traue mir selber genausowenig. Wir sind uns nicht einig. Nicht, dass ich sage, einer von uns macht den Fehler, kann sein, keiner von uns macht den Fehler. So lange es keine Moeglichkeit gibt zu entscheiden, wer recht hat und ob so ein Recht existiert, so lange es keine Gleichung gibt, die das einmal-einzig All-unbekannte handhaben kann, gibt es fuer mich nichts zu zaehlen.

Ich bin nicht Teil der Maschine, die ich kontrolliere, wenn ich nicht zaehle. Zaehle ich doch, bin ich nicht laenger nicht Teil, nicht laenger ihre Kontrolle, nicht laenger verschieden, nicht laenger menschlich. Ich verliere hier einige Faehigkeiten. Ich frage mich selbst, was das soll. Mein Selbst sagt, das ist mir egal, und ich widerspreche ihm nicht.

Zwei Dinge, im selben Raum zur selben Zeit, das ist nicht die Frage von Raum und von Zeit, das ist die Frage von dem, was hier vor sich geht. Teilchen verschwinden nicht, wenn und in dem sie einander beruehren. Ich und mein Selbst sind immer noch hier. Wir alle sind immer irgend wie, wann und wo, und warum auch eigentlich nicht. Schwarze Loecher, Schwarze Lichter, Schwarze Container, nur der dem gesundenmenschenverstaendliche Teil des Universums ist dunkel.

Wenn ich nicht zaehle, zaehle ich doch. Was wuerde sein, waere ich nicht. Es waere an meiner Stelle in diesem Raum zur selben Zeit kein kleiner Schlitz, nichts fehlte, was ein Zusammenbrechen verursachen koennte.

Alles zusammen wuerde kein klein wenig kleiner. Die grundlegende Ordnung geht nur in eine um so gruendlichere Unordung ueber, die sich gleich wieder in Ordnung bringt. Die Welt verliert nichts, wie sie nichts produziert. Sie ist das Kommen-und-Gehen an sich. Alles in einem eine spezifisch gestaltete Masse von Muell in einem todlosen RecyclingProzess.

Will ich sehen, was draussen ist, muss ich in den Monitor schauen, nur um zu sehen was vor dem Hinter-mir ist. Ich kann nur nach draussen gehen um die Orientierung in Ordnung zu bringen. Die Luft, die ich draussen zu atmen habe, kommt, so wie ich, von drinnen. Ich habe das WeltAll nie wirklich beruehrt. Ich habe immer nur etwas beruehrt, das etwas beruehrt, das wiederum etwas beruehrt, das auch wieder nur, und so fort und so weiter, darueber hinaus. Und so weit weit weit genug ist, nennt man es All. Hier ist das alles nicht so weit weg. Ich frage mich, ob das Objekt der WeltAllBetrachtung die Beobachtung meiner InnenWelt ist.

Jeder Moment ist ein Ding, das ich nicht kenne. Selbst wenn ich es nachher erkenne, erkenne ich es nicht wieder. Der selbe Moment hat den selben schon wieder veraendert. Ich habe eine Menge solcher Momente. So bald du sie hast, kannst du sie nicht mehr verwerfen. Es gibt diese seltsame Art der Verwendung, die jeden Moment veranlasst zu bleiben. Nach Auskunft der Menge dieser Momente habe ich keinen Fehler gemacht, was ich auch mache, es kann sich nur als nicht richtig erweisen, oder, als ein schon vorhandener, oder noch besser ein vorgegebener, Fehler.

Nenne es BlackBox oder ObskuresMaterial, und du wirst sehen, dass das nicht funktioniert. Selbst wenn du das, was noch dunkel ist, in das, was schon schwarz ist, verpackst und verschnuerst mit einem undurchsichtigen Faden, wird es nichts sein, was du siehst. Kannst du ueberhaupt etwas sehen, ohne nichts aussen rum.

Ich muss etwas tun. Wenn nichts jemals funktionierte, werde ich hier fuer nichts und fuer immer bleiben. Ich nehme an, dass diese WeltRaumStation nicht existiert. Wenn, was ich zaehle, nicht zaehlt, wird auch nicht zaehlen, dass ich nicht zaehle. Wenn ich jetzt gehe, oeffne ich einfach die Tuer und sehe mir an, was mein Beobachter macht, wenn ich die andere hinter mir schliesse. LIR©NEV

RESTRICTIVITY - STRUCTURES OF THINKING
RESTRIKTIVE UND RESTRIKTIONIERTE STRUKTUREN DES DENKENS
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